Medizinische Innovation: Erstmaliger Einsatz eines patientenspezifischen 3D-Titanimplantats im Norden

Bei einem Patienten mit einer Tumor-Metastase des Sprungbeins (Talus) im oberen Sprunggelenk konnte erstmals in Norddeutschland erfolgreich ein speziell für diesen Patienten angefertigtes 3D- Titanimplantat eingesetzt werden.

Der Patient kam mit einer erheblich geschwächten Knochenstruktur im Talus. Ohne eine operative Versorgung hätte sich die Knochenstruktur weiter ausgehöhlt, was eine pathologische Fraktur und den Verlust der Mobilität bedeutet hätte. Ein herkömmlicher Gelenkersatz war aufgrund der ausgedehnten Metastasierung nicht möglich und auch konventionelle Therapien hätten nur funktionell eingeschränkte Lösungen geboten, bspw. eine vollständige Versteifung des oberen und unteren Sprunggelenks. Die Lebensqualität des Patienten wäre in der Folge stark beeinträchtigt gewesen. 

Individuelles 3D-Titanimplantat als Lösung

Das interdisziplinäre Team entschied sich für ein neuartiges, patientenspezifisches Implantat aus dem 3D-Drucker. Als Grundlage wurden hochauflösende CT-Daten herangezogen, auf deren Basis das Implantat digital geplant und anatomisch exakt angepasst werden konnte. Hergestellt aus medizinischem Titan gilt dieses Implantat zudem als ausgesprochen gut verträglich. „Unser Ziel war es, bei möglichst geringer Weichteilschädigung so viel Gelenkfunktion wie möglich zu erhalten“, erklärt Dr. Jazra und ergänzt „ein standardisiertes Implantat hätte dieses Ziel nicht erreichen können.“ Mit dem neuartigen Verfahren gibt es nun erstmals eine attraktive Alternative zu versteifenden Operationen bei fortgeschrittener Zerstörung des Talus durch Unfälle, ausgedehnte Defekte oder Tumore.

Die verwendete Technologie wurde in Südkorea entwickelt und seit 2021 wurden dort bereits 86 vergleichbare Eingriffe erfolgreich durchgeführt. In Deutschland war die Methode bislang nicht etabliert und vor dem Eingriff in Flensburg gab es lediglich eine vergleichbare Operation in München. Für Norddeutschland handelt es sich bei diesem Eingriff also um eine medizinische Premiere. Die Fertigung des Implantats erfolgte durch das Unternehmen Cubelabs / Vilex in enger Abstimmung mit dem Ärzteteam. 

Vier Monate sorgfältige Vorbereitung

Zwischen dem Erstkontakt des Patienten und der Operation lagen rund vier Monate intensiver Planung. Die Phase umfasste detaillierte Diagnostik, interdisziplinäre und ethische Fallbesprechungen, digitale Implantatplanung, Abstimmung mit dem Hersteller sowie organisatorische und logistische Koordination. Die eigentliche Operation dauerte etwa eine Stunde und verlief ohne Komplikationen und planmäßig. 

Bereits wenige Tage nach dem Eingriff zeigte der Patient erste funktionelle Fortschritte und das Gelenk kann zunehmend bewegt werden. Die ersten Schritte unter beschwerdeabhängiger Vollbelastung wurden bereits nach einer Woche erfolgreich absolviert und die Schmerzen sind jetzt bereits geringer als vor der Operation. Das Verfahren ermöglicht eine Wiederherstellung der Stabilität bei gleichzeitiger Erhaltung der Beweglichkeit, ein entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichen Methoden wie z.B. der Versteifung.

Medizinischer Fortschritt für die Region

Mit diesem erfolgreichen Eingriff wird die wichtige Rolle des Malteser Fördeklinikum St. Katharina am Standort Knuthstraße in der spezialisierten Fuß- und Sprunggelenkchirurgie deutlich. Der patientenspezifische 3D-Titanersatz zeigt, wie moderne digitale Planung, internationale Kooperation und chirurgische Expertise zusammenwirken, um selbst bei komplexen Schädigungen funktionserhaltende Lösungen zu ermöglichen.


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