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Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital in Flensburg

6K Klinikverbund Schleswig-Holstein und Klinikverbund Flensburg: Corona-Versorger werden im Stich gelassen

06.02.2021

Für die großen Versorgungskrankenhäuser des Landes wird die Luft in finanzieller Hinsicht immer dünner. Die Finanzierungsregelungen für 2021 sind unnötig kompliziert und erreichen nicht diejenigen, die sich um die COVID-Patienten kümmern. Der 6K Klinikverbund Schleswig-Holstein*) und der Klinikverbund Flensburg*) sehen Gesundheitsminister Spahn wortbrüchig.

Gemeinsam versorgen diese Krankenhäuser jährlich ca. 200.000 stationäre Fälle und damit über ein Drittel der stationären Fälle in Schleswig-Holstein. Die Häuser bilden damit das Rückgrat der Krankenhausversorgung im echten Norden und stellen flächendeckend Grund- und Schwerpunktleistungen sicher. 

Sie sind zudem in weiten Teilen des Landes die größten Arbeitgeber und beschäftigen fast 15.000 Mitarbeiter, die sich tagtäglich rund um die Uhr um die ihnen anvertrauten Patienten kümmern. Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen auf höchstem professionellem Niveau gerade auch die Versorgung von COVID-erkrankten Patienten sicher. "Ohne die Leistungen des Klinikverbundes Flensburg und die der 6K-Kliniken wäre die Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein und vor allem die Bewältigung der Pandemie nicht denkbar!", betont Dr. Roland Ventzke, Vorstandsvorsitzender 6K und Geschäftsführer Städtisches Krankenhaus Kiel. 

Daher sind diese Kliniken in der Corona- Pandemie besonders gefordert. Im ersten Jahr der Pandemie wurden in den genannten Kliniken über 800 COVID-Patienten versorgt.

Mag diese Zahl angesichts der Größe der Häuser noch überschaubar klingen, dann muss darauf hingewiesen werden, dass zu jedem COVID Fall die 4-fache Anzahl Verdachtsfälle kommen. Jeder dieser Patienten muss bis zum klaren Ausschluss einer COVID-Infektion ganz genauso behandelt und isoliert werden, wie eine COVID-positiver Patient. Zu Beginn des Jahres 2021 verschärft sich die Situation noch: allein im Januar wurden in den Häusern mehr als 400 COVID-Patienten und behandelt und damit monatlich sogar noch 5 Mal mehr als in 2020.

Um diese enorme Aufgabe sicher zu bewältigen, mussten die Aufnahmebereiche zur Einhaltung der Abstandregeln neu organisiert, eigene COVID-Stationen eingerichtet, persönliche Schutzausrüstung in "Unmengen" beschafft und spezielle Isolationsbereiche auf den Intensivstationen eingerichtet werden. 

"Wirtschaftliche Risiken erzeugen in der Zeit der Pandemie neben allen beruflichen Belastungen zusätzlich Unsicherheit und Druck für unsere Mitarbeiter," erklärt Klaus Deitmaring, Geschäftsführer St. Franziskus-Hospital Flensburg. "Gerade in dieser Zeit der permanenten Anpassungserfordernisse bedarf es stattdessen Verständnis, Fürsorge und guter und sicherer Rahmenbedingungen, für die wir täglich eintreten".  Die größte Herausforderung haben aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bewältigen, die unter schwierigsten Bedingungen ihre Patienten versorgen; die sich tagtäglich dem Risiko einer Infektion mit dem lebensgefährlichen Virus aussetzen; die jede Sekunde höchst aufmerksam im Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung sein müssen; die ständig neue Erkenntnisse über die Behandlung der Erkrankung lernen und umsetzen müssen und die dennoch viele Ihrer Patienten an das Corona-Virus verlieren.

"Wir haben als großer Schwerpunktversorger eine besondere Verantwortung für die Menschen an der Westküste. Daher haben wir trotz niedriger Inzidenz frühzeitig Strukturen geschaffen und Betten freigehalten, um COVID-Patienten weit über unsere Kreisgrenzen hinaus versorgen zu können. Dafür dürfen wir jetzt nicht bestraft werden, fordern Dr. Martin Blümke und Dr. Bernward Schröder, Geschäftsführer Westküstenkliniken Heide/ Brunsbüttel.

Die wirtschaftliche Folge und das größte Problem für die Gesundheitsunternehmen sind aber neben den Belastungen für die Mitarbeiter nicht nur die Zusatzkosten, sondern vor allem ausbleibende Erlöse: einerseits müssen die Kapazitäten (Betten und Personal) für die COVID-Versorgung freigehalten - gewissermaßen reserviert bleiben - andererseits scheuen viele Patienten in diesen Zeiten den Gang ins Krankenhaus - mit teilweise erheblichen gesundheitlichen Folgen für den Einzelnen. Das Patientenaufkommen liegt trotz der Corona-Fälle rund 15% unter dem der "Vor-Corona-Zeit". Das daraus entstehende wirtschaftliche Problem lässt sich für die hier genannten Häuser mit über 10.000.000 € pro Monat beziffern. Dieser Betrag fehlt jeden Monat, um die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bezahlen, persönliche Schutzausrüstung zu kaufen etc.

Das Problem ist bekannt: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte im März 2020 den Satz geprägt: "Whatever it takes" und noch im Januar 2021 zugesagt, die Krankenhäuser bei der Bewältigung dieser Aufgabe nicht im Stich zu lassen: "Bund und Länder stehen gemeinsam in der Verantwortung. Wir wollen und werden die Liquidität der Krankenhäuser in der Krise sichern. Darauf können sich die Beschäftigten verlassen", sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)."  Für das Jahr 2020 hatte die Bundesregierung dann auch ihren Rettungsschirm aufgespannt, der den Kliniken eine finanzielle Absicherung geben sollte. Das Verfahren dafür war zwar unkompliziert und wurde schnell umgesetzt, hat aber dennoch nicht jedes Haus vor Defiziten bewahrt.

"Auf die Wirtschaftlichkeit haben wir in der Pandemiezeit nicht geachtet, es ging uns um die schnelle und bestmögliche Versorgung der Menschen. Dieses war gut und richtig. Leider hat der Gesetzgeber in Berlin bisher nicht Wort gehalten! Im DIAKO Krankenhaus entstanden und entstehen so Verluste in Millionenhöhe", erklärt Ingo Tüchsen, Geschäftsführer der DIAKO Krankenhaus gGmbH Flensburg.

Für das Jahr 2021 wurde die Regelung erheblich verkompliziert und auch deutlich eingeschränkt. Zudem gibt es nur Festlegungen von Monat zu Monat: Eine Corona-Ausgleichszahlung bekommt danach nur das Krankenhaus, in dessen Kreis- oder Stadtgebiet die 7-Tage-Inzidenz über 70 Fällen je 100.000 Einwohnern liegt und gleichzeitig die Quote frei verfügbarer Intensivbetten unter 25% gesunken ist. "Auch unter der Inzidenzgrenze und der Auslastung der Intensivkapazitäten findet COVID-Versorgung statt und fallen hohe Vorhaltungskosten an. Es kann nicht sein, dass eine gute Pandemielage in der Region über die Finanzierung von Kliniken entscheidet," betonen Dr. Anke Lasserre und Markus Funk, Geschäftsführer*in imland-Kliniken Rendsburg/Eckernförde.

Zudem erhalten nur solche Krankenhäuser Geld, die gemäß Landesplanung als Notfallversorgungskrankenhäuser ausgewiesen sind. In aller Regel bleiben damit also die Grund- und Regelversorgungskrankenhäuser und auch die Fachkliniken außerhalb des Rettungsschirms "im Regen stehen".  "Als Fachkrankenhaus und große Rehaklinik sind wir genauso betroffen, aber für uns gibt es gar keinen Rettungsschirm. Die Problematik mit verunsicherten und sehr zurückhaltenden Patienten sowie das zur Verfügung stehen als Entlastungskrankenhaus wird gar nicht berücksichtigt", beklagt Jens Ritter, Geschäftsführer Klinikum Bad Bramstedt.

Diese ohnehin kaum taugliche Regelung wurde ursprünglich auf den 31. Januar befristet. Ende Januar folgte dann eine Verlängerung bis zum 28. Februar. Ab Anfang März gibt es nach derzeitiger Rechtslage also keinen Cent - für niemanden!

"Die Politik nennt das hemdsärmelig "Fahren auf Sicht" - für uns heißt das: Planungsperspektive = 0!!", klagt Kerstin Ganskopf, Geschäftsführerin Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster.

Für die unternehmerisch Verantwortlichen der schleswig-holsteinischen Krankenhäuser ist die Situation schlicht unerträglich. Obwohl das eine oder andere Haus an der einen oder anderen Stelle Ausgleichszahlungen erhalten hat, bleiben massive Kritik und Sorge, die Bernhard Ziegler, Krankenhausdirektor Klinikum Itzehoe so zusammenfasst: "Als einer der großen COVID-Versorger der insbesondere von der hohen Inzidenz im Nachbarkreis Pinneberg betroffen war und ist, hat das Klinikum Itzehoe allein im Januar 2021 700 stationäre Patienten weniger als normalerweise behandelt und nahezu 2 Mio. € verloren."

Es ist völlig unklar, ob und wie lange die Ausgleichszahlungen geleistet werden. Klar ist aber in jedem Fall, dass die Aufwendungen und Probleme der Häuser völlig unabhängig von Inzidenzwerten und Intensivkapazitäten auftreten, denn sie entstehen durch die COVID-Versorgung, die die Häuser als ihren selbstverständlichen Auftrag ansehen. Und dafür braucht es das Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Patientenbett, denen Herr Spahn vielleicht in absehbarer Zeit erklären muss, warum sie keine Gehälter mehr bekommen sollen.

*) Zum 6 K Klinikverbund Schleswig-Holstein gehören: die Westküstenkliniken Heide und Brunsbüttel, die imland Kliniken Rendsburg und Eckernförde, das Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster, das Klinikum Itzehoe, das Klinikum Bad Bramstedt und das Städtische Krankenhaus Kiel

*) Der Klinikverbund Flensburg umfasst die Diakonissenanstalt Flensburg und das St. Franziskus-Hospital Flensburg

Für weitere Fragen und Fotos stehen die Geschäftsführer der Kliniken zur Verfügung:

Dr. Roland Ventzke, Vorstandsvorsitzender 6K und Geschäftsführer Städtisches Krankenhaus Kiel / Pressekontakt : Birgitt Schütze-Merkel, presse@krankenhaus-kiel.de,  Tel.: 0431 1697-4031

Klaus Deitmaring, Geschäftsführer St. Franziskus Hospital Flensburg / Pressekontakt: Franziska Mumm, franziska.mumm@malteser.org, Tel.: 0461 816-2216

Dr. Martin Blümke/ Dr. Bernward Schröder, Geschäftsführer Westküstenkliniken Heide/ Brunsbüttel / Pressekontakt: Sebastian Kimstädt, SKimstaedt@wkk-hei.de, Tel.: 0481 7851250

Ingo Tüchsen, Geschäftsführer der DIAKO Krankenhaus gGmbH / Pressekontakt: Ole Michel, michelol@diako.de, Tel.: 0461 812 2098

Dr. Anke Lassere/ Markus Funk, Geschäftsführer der imland-Kliniken Rendsburg/ Eckernförde / Pressekontakt: Barbara Ermes, barbara.ermes@imland.de, Tel.: 04331 200 9033

Kerstin Ganskopf, Geschäftsführerin Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster / Pressekontakt: Maren von Dollen, maren.vondollen@fek.de,   Tel.:  0151 10840516

Bernhard Ziegler, Krankenhausdirektor Klinikum Itzehoe / Pressekontakt: Katrin Götz, k.goetz@kh-itzehoe.de, Tel.: 04821 772-3114

Jens Ritter, Geschäftsführer Klinikum Bad Bramstedt / Pressekontakt: Stefanie Luther, s.luther@klinikumbb.de, Tel.: 04192 90-2011