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Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital in Flensburg

Demenz: Konferenz zu innovativen Technologien und Angeboten im Krankenhaus

04.12.2018

Die Interreg-Konferenz „Innovative Technologien zur Unterstützung und Versorgung Demenzbetroffener“ und das 6. Flensburger Geriatrie-Symposium beschäftigten sich Ende November 2018 sich mit diesem Thema, von dem immer mehr Menschen direkt oder indirekt betroffen sind.

Demenz sei eine „große Aufgabe, die uns alle etwas angeht“, begrüßt Prof. Dr. Bosco Lehr, Projektleiter des Demantec-Projektes, die Konferenzteilnehmer im Audimax der Hochschule Flensburg. Kompetenzen aus verschiedenen Bereichen müssten zur Bewältigung der Aufgabe gebündelt werden. Über 200 Interessierte aus Politik, dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie aus der Wirtschaft nahmen an der deutsch-dänischen Veranstaltung teil. Kürzlich wurde das grenzübergreifende Interreg-Projekt Demantec sogar mit dem Preis „Land der Ideen 2018“ in Berlin ausgezeichnet.

Demantec-Projektpartner berichteten zunächst über die im Rahmen des deutsch-dänischen Forschungsprojektes erzielten Ergebnisse und Erfahrungen in Bezug auf den Einsatz von Technologien in Pflegeeinrichtungen. Lynn Jacken und Julia Riesch, beide wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des Instituts für eHealth und Management im Gesundheitswesen an der Hochschule Flensburg, präsentierten ihre Erfahrungen während der durchgeführten Studien. Prof. Dr. Thomas Severin, Projektleiter und Dekan des Fachbereiches Wirtschaft an der Hochschule Flensburg plädierte für den Einsatz bedarfsgerechter Technologien, die jedoch die menschliche Nähe keineswegs ersetzen, aber doch positiv unterstützen können.

Im sog. "Life-Manager", der digitalen Kommunikationsplattform des Demantec-Projektpartners Life-Partners, können Pflege- und Betreuungskräfte sich mit Angehörigen zur Biografie Betroffener austauschen - ein wichtiges Ergebnis des Projektes, denn die Berücksichtigung der individuellen Biografien dementiell Erkrankter wirkt sich positiv im Umgang aus. Angehörige sollten generell aktiv in Pflege und Betreuung dementiell erkrankter Angehöriger einbezogen und hierin auch stärker unterstützt werden.

Im Anschluss an die Interreg-Konferenz fand das Flensburger Geriatrie-Symposium statt, das Dr. Klaus Weil, Chefarzt der Klinik für Geriatrie und Frührehabilitation im Malteser Krankenhaus St. Franziskus-Hospital, jährlich veranstaltet.

Mona Jepsen, Psychologin im St. Franziskus-Hospital, stellte die Möglichkeiten und Techniken zur frühzeitigen Demenzdiagnostik, wie sie im St. Franziskus-Hospital angeboten wird, dar. Erstaunlich, dass 20% der im ambulanten Bereich durchgeführten Diagnostiken eine Demenz ausschließen. Gerade bei einer beginnenden Demenz sei es möglich, den geistigen Abbauprozess durch einen veränderten Lebensstil um Jahre zu verzögern. Kognitives Training, Ernährung und Bewegung seien von großer Bedeutung, wie Prof. Dr. Tiia Ngandu vom Karolinska Institut Stockholm als Ergebnis der bekannten FINGER-Studie darstellte.

Dr. Ursula Sottong, Leiterin der Fachstelle Demenz der Malteser in Köln, stellte die bisherige beeindruckende Arbeit der Malteser mit dem Silviahemmet Konzept der schwedischen Königin Silvia vor. Bei den Maltesern kann man auf einen großen Erfahrungsschatz in der Behandlung und Pflege dementiell erkrankter Menschen zurückgreifen und bildet Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Bereiche dementsprechend umfassend fort. Gesundheits- und Krankenpfleger Jan Kleinwort ist in Stockholm zum Siviahemmet-Trainer ausgebildet worden - ein Konzept zum Umgang mit dementiell erkrankten Patienten. Er stellte Alltag und Arbeitsweise auf der Station Silvia des St. Franziskus-Hospitals dar. Die Station Silvia ist ein geschützter Bereich, der speziell auf die Bedürfnisse dementiell erkrankter Patienten zugeschnitten ist. "Die Menschen dort wollen als Menschen, und nicht als Problem wahrgenommen werden", so Kleinwort.

"Innovative Technologien, wie sie auf der Konferenz eindrucksvoll demonstriert wurden, können dazu beitragen, den Alltag für Menschen mit Demenz und ihre Bezugspersonen spürbar zu erleichtern und u. a. einen längeren Verbleib in der Häuslichkeit zu ermöglichen. Ähnlich wie im Bereich der Frühdiagnostik der Erkrankung gilt es jedoch auch hier teilweise noch vorhandene nihilistische Tendenzen und administrative Hürden zu überwinden", erklärt Dr. Klaus Weil. 

Eine Podiumsdiskussion mit interdisziplinär ausgerichteten Teilnehmenden unter der Moderation von Prof. Dr. Lehr und Dr. Weil rundete das Konferenzprogramm ab. Dabei wurden die Leitgedanken des Tages noch einmal zusammengefasst und aus den unterschiedlichen Perspektiven von Politik, Wirtschaft und Medizin betrachtet.